NEWSLETTER 5 / 2026

INHALT

Größtes 3D-gedrucktes Mehrfamilienhaus Europas

In Bezannes bei Reims steht seit April 2026 das größte 3D-gedruckte Mehrfamilienhaus Europas. Der gemeinnützige Bauträger Plurial Novilia hat dort zwölf Sozialwohnungen auf 800 m² in drei Geschoßen errichtet, ohne konventionelle Schalung, mit einem computergesteuerten Portaldrucker.

Schneller, personalsparender, sozial gedacht

Die Druckphase dauerte 34 statt geplanter 50 Arbeitstage. Drei Operatoren genügten, beim baugleichen Vergleichsgebäude nebenan waren es sechs. Was das für einen Sektor bedeutet, der unter Fachkräftemangel und Kostendruck steht, liegt auf der Hand.

Die Gesamtkosten lagen rund 30 Prozent über dem konventionellen Vergleichsbau. Dieser Aufschlag geht auf Forschungs- und Zulassungsaufwand zurück, nicht auf den Druckprozess selbst, und wird nicht auf die Mieter umgelegt. Plurial Novilia plant bereits ein Folgeprojekt mit 40 Wohneinheiten und dem Ziel, die Kosten an das konventionelle Niveau anzunähern.

Interessiert Sie das Thema? Im ARGE Eigenheim Jahrbuch 2026, das im Herbst erscheinen wird, finden Sie einen ganzen Artikel über den Status und den Nutzen von tatsächlich gebauten 3D-gedruckten Häusern.

Bilder: Plurial Novilia

WORDRAP

Isabella Stickler

Bundesobfrau

Foto: Rainer Friedl

 

Die beste Architektur, die Sie je gesehen haben? 
Mein To-do-Stapel. Stabil, wächst täglich und wenn ich in Urlaub gehe, wandert er auf den Schreibtisch meiner Assistentin – und ist ganz im Sinne des Flächenentsiegelns rückstandsfrei „entsorgt“.

Mein Lieblingsplatz in meinem Bundesland?
Ich bin am liebsten „nur“ bei mir zu Hause.

Stadt oder Land? Warum?
Land, da ich die Weite, die Ruhe und den größeren persönlichen Freiraum schätze.

Das unterschätzteste Thema im Wohnbau?
Nicht der Grundriss einer Wohnung, sondern die Qualität des Zusammenlebens und der Nachbarschaft. Im Wohnbau wird oft über Wohnungen gesprochen, aber zu selten darüber, wie Menschen miteinander leben.

Wenn ich WohnbauministerIn wäre, würde ich als Erstes..…
…damit aufhören, Mieter und Vermieter gegeneinander auszuspielen. Wohnen braucht keine ideologischen Grabenkämpfe, sondern vernünftige Rahmenbedingungen. Weniger Regulierung, mehr Freiheit und Geschwindigkeit – dann löst sich manches Problem schneller als durch jedes Gesetz.

Ein Buch, das mich geprägt hat:
Das Geisterhaus von Isabel Allende – ein Buch über Familie, Erinnerung und die Spuren, die Menschen hinterlassen.

Mein Lieblingsplatz zum Nachdenken:
Überall, wo ich allein und ungestört bin und die Uhr nur Dekoration ist..

Kaffee oder Tee?
Beides – morgens zuerst Kaffee – aber in Litern gemessen eindeutig Tee.

Mein liebstes Hobby neben der Arbeit:
Klavier- und Orgelspielen.

Musik, die in meinem Auto läuft:
Was bei mir nicht läuft: Radio-Dauerrauschen mit Ö3.

Der beste Rat, den ich je bekommen habe:
Wenn du etwas machst, dann mach es „gescheit“. Und wenn du das nicht willst, dann lass es.

Ein Klischee über meinen Beruf, das stimmt:
Kenne keines.

Eine Person, die mich inspiriert:
Mein Sohn – der beste Verhandler ever.

Welche historische Person würden Sie gerne mal treffen? Ein Gespräch quer durch die Musikgeschichte als runder Tisch mit Bach, Händel, Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, Mahler und Falco wäre ein Traum.

ARGE EIGENHEIM NEWS

Dekarbonisierung: die Zahlen hinter dem Ziel

Eine aktuelle Branchenanalyse von Blue Auditor auf Basis von 5.723 österreichischen Wohngebäuden zeigt, wo der gemeinnützige Wohnbau beim Thema Klimafitness steht, und wie weit der Weg noch ist.

Der Befund ist gespalten. Rund 34 Prozent der bewerteten Wohngebäude liegen in den schwächsten Energieklassen E bis G, 21 Prozent sogar in F und G. Der modellierte Sanierungsbedarf liegt im Median bei rund 326 Euro pro Quadratmeter. Für das schwächste 43-Prozent-Segment des gesamten gemeinnützigen Mietwohnbestands, rund 293.000 Wohnungen, ergibt sich ein hochgerechneter Investitionsbedarf von rund 6,7 Milliarden Euro.

Das eigentliche Problem sei das Tempo, so der Bericht. Beim aktuellen Sanierungsrhythmus von rund 6.800 thermischen Sanierungen pro Jahr würde allein dieses schwächste Segment über 40 Jahre benötigen. Um die EPBD-Anforderungen bis 2040 zu erfüllen, wäre eine Verdrei- bis Vervierfachung nötig, gleichzeitig mit steigenden Baukosten, Wohnungsmangel und gekürzten Förderquoten.

Erschwerend kommt hinzu: Die Energieersparnis allein refinanziert die Sanierung nicht. Warmmietenneutralität ist im Kostenmietsystem nur mit günstiger, langfristiger Finanzierung und stabiler öffentlicher Förderung erreichbar. Die Analyse beziffert die verbleibende Netto-Last für GBV und Mieter auf rund 5 Milliarden Euro. Die Sanierungsoffensive 2026 stellt bis 2030 rund 1,8 Milliarden Euro sektorübergreifend bereit, ein Mehrfaches unter dem tatsächlichen Bedarf.

 

Das Fazit der Analyse: Der gemeinnützige Wohnbau ist nicht in der Breite klimatisch gefährdet, weist aber ein klar abgrenzbares Problemsegment auf. Ob die Klimaziele mit dem Gebot der Leistbarkeit vereinbar bleiben, ist weniger eine bautechnische als eine Verteilungs- und Finanzierungsfrage.

Das Management Summery dazu gibt es hier zum Download.

Salzburg Wohnbau: 273 neue Wohneinheiten, Fokus auf Bestand

Die Salzburg Wohnbau zieht eine positive Bilanz: 2025 wurden 15 Projekte mit insgesamt 273 Wohneinheiten gestartet, das Neubau- und Sanierungsvolumen betrug 92 Millionen Euro. Rund 70 Prozent der neu gestarteten Einheiten entfallen auf geförderte Miet- und Mietkaufwohnungen. Für 2026 sind 155 Wohnungsübergaben geplant.

Leitprojekt ist Hallein STADT.LAND.LEBEN: Auf dem ehemaligen Reisinger-Areal entstehen 183 geförderte Wohnungen, vollständig auf bereits genutzter Fläche, ohne zusätzlichen Bodenverbrauch. Beim Rückbau wurden 700 Tonnen Ziegel und 3.000 Kubikmeter Altbeton nahezu vollständig recycelt, 30 Prozent der versiegelten Fläche werden in Grünzonen umgewandelt.

Ein weiteres Bestandsprojekt ist BILLY UP in der Salzburger Billrothstraße mit 36 Einheiten, bei dem erstmals in Österreich robotergedruckte Betonbad-Zellen verbaut wurden. In Kombination mit dem Bestandserhalt werden damit über 1.000 Tonnen CO₂ eingespart.

(Werbung)

Gemeinnützige fordern neue Finanzierungsinstrumente

Die im GBV-Verband organisierten gemeinnützigen Bauvereinigungen hielten in Graz ihren jährlichen Verbandstag ab. Rund 300 Vertreterinnen und Vertreter der Genossenschaften und gemeinnützigen Gesellschaften diskutierten dort die Zukunft des leistbaren Wohnens sowie die weitere Dekarbonisierung des Wohnungsbestands.

Kernforderung der Tagung: neue Finanzierungsinstrumente, um das Modell der preisgebundenen Genossenschaftswohnungen dauerhaft abzusichern. Genossenschaftswohnungen wirken als Preisdämpfer am gesamten Wohnungsmarkt, nicht nur für ihre direkten Mieterinnen und Mieter. Diesen stabilisierenden Effekt zu erhalten braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Auch die Dekarbonisierung des Bestands war ein zentrales Thema. Bei den Gemeinnützigen ist dieser Prozess bereits weit fortgeschritten. Mit Rekordwerten bei Sanierungen und Heizungsumstellungen hat der Sektor gezeigt, dass klimafreundliches und leistbares Wohnen kein Widerspruch sein muss. Die Forderung nach neuen Geldquellen zielt darauf ab, diesen Weg auch unter schwieriger werdenden Finanzierungsbedingungen fortsetzen zu können.

WORDRAP

Matthias Eberhardt

Landesobmann Salzburg

Foto: Jana Madzigon

Die beste Architektur, die Sie je gesehen haben?
Rainbow Tree-House

Mein Lieblingsplatz in meinem Bundesland?
Der Ausblick vom Schober beim Fuschlsee

Stadt oder Land? Warum?
Am Land in Stadtnähe – Hauptsache Natur.

Das unterschätzteste Thema im Wohnbau:
Nachbarschaftliche Rücksichtnahme baulich gut möglich machen.

Wenn ich WohnbauministerIn wäre, würde ich als Erstes…
Die Zweckbindung der Wohnbauförderungsbeiträge wieder einführen.

Ein Buch, das mich geprägt hat:
Die 7 Wege zur Effektivität von Stephen R. Covey 

Mein Lieblingsplatz zum Nachdenken:
Im Rennradsattel

Kaffee oder Tee?
Kaffee

Mein liebstes Hobby neben der Arbeit:
Fußball und Rennrad fahren.

Musik, die in meinem Auto läuft:
Coldplay und Patrick Michael Kelly

Der beste Rat, den ich je bekommen habe:
Die Klarheit seines Inneren ist für den Menschen das höchste Gut.

Ein Klischee über meinen Beruf, das stimmt:
In jedem freien Feld sofort ein Nachverdichtungspotenzial sehen.

Eine Person, die mich inspiriert:
Vincent Kompany

Welche historische Person würden Sie gerne mal treffen?
Albert Einstein

Mehr Tempo!

Der Bedarf an leistbarem Wohnraum in Österreich bleibt hoch, die Neubauzahlen halten nicht Schritt. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Ende Juni 2026 forderten VÖPE und GBV schnellere Genehmigungsverfahren als eine der wirksamsten Stellschrauben. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds verweist der gemeinnützige Wohnbau auf starke Zahlen: über 11.900 fertiggestellte Wohnungen, einen Marktanteil von über 50 Prozent bei den Baubewilligungen sowie Rekordwerte bei Sanierungen und Heizungsumstellungen.

Dass diese Leistung unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen erbracht wird, macht die Forderung nach verlässlicherer Förderarchitektur und weniger bürokratischen Hürden umso drängender. Für den gemeinnützigen Wohnbau geht es nicht nur um Neubauzahlen, sondern um die Fähigkeit, langfristig als Preisdämpfer am Markt zu wirken. Das funktioniert nur, wenn Planung und Bewilligung nicht zum Nadelöhr werden.

Holz, Lage, Leistbarkeit

Foto: Chris Radl

Am 18. Juni 2026 übergab ÖWG Wohnbau in Kalsdorf bei Graz den dritten Bauabschnitt eines Projekts, das die Gemeinde seit 2005 schrittweise verändert. 72 geförderte Mietwohnungen in der Dr.-Blumauer-Straße, fertiggestellt in 30 Monaten, geplant von gaft&onion.

Zwei der drei Gebäude wurden in hochwertiger Holzbauweise errichtet, das dritte in Massivbauweise. Großflächige Holzpaneele prägen die Fassaden und machen die Materialwahl nach außen sichtbar. Die 49 bis 89 m² großen Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen verfügen alle über Balkon oder Terrasse mit Gartenfläche, Einbauküche inklusive Elektrogeräte sowie einen Tiefgaragenstellplatz. Unbefristete Mietverträge, keine Provision, Kostendeckungsprinzip.
Seit 2005 hat ÖWG Wohnbau in Kalsdorf insgesamt 472 Wohnungen errichtet. Der vierte Bauabschnitt mit 69 weiteren Wohnungen ist für Frühjahr 2027 geplant, dazu ein Gebäude in der Hauptstraße mit Gewerbefläche für die Steiermärkische Sparkasse und 27 freifinanzierte Mietwohnungen.

Ruhige Lage, zukunftsfit gebaut

Am westlichen Stadtrand von Eisenstadt entstehen in drei Bauabschnitten 7 Doppelhäuser und 6 Quattrohäuser mit insgesamt 38 Wohneinheiten. Den Auftakt macht der erste Bauabschnitt mit 16 Einheiten, Fertigstellung Herbst 2027.

Jede Einheit bietet drei Zimmer zwischen 110 und 118 m², überdachte Terrasse, Garten, Carport und Stellplatz mit vorgerüsteter E-Ladestation. Geheizt wird über Luft-Wärmepumpe mit Fußbodenheizung, eine PV-Anlage ist je Einheit vorgesehen.

Das Projekt ist freifinanziert und bietet zwei Wege ins Eigentum: Miete mit Kaufoption oder Direktkauf.

Steirisches Holz-Beton-Hybrid

In der Schubertgasse in Weiz, direkt im Zentrum, realisiert die Frohnleitner 55 geförderte Eigentumswohnungen in zwei- bis vierzimmeriger Ausführung zwischen 50 und 88 m², Fertigstellung Juni 2027.

Das Besondere ist das Sonderförderprogramm des Landes Steiermark: Rund 60 Prozent des Kaufpreises lassen sich über ein Landesdarlehen mit 0,5 Prozent Fixzins bei 30 Jahren Laufzeit finanzieren. Für viele Haushalte ist das eine der wenigen realistischen Wege ins Eigentum.

Gebaut wird in Holz-Beton-Hybridbauweise, beheizt über Fernwärme mit Solarpufferspeicher und Fußbodenheizung. Dazu Tiefgarage, Carsharing-Angebot, Glasfaseranschluss und Holz-Alu-Fenster mit Dreifachverglasung. Verkauf provisionsfrei.

Foto: Die Frohnleitner/beigestellt

Beach-Vibes am Berg

Sandstrand, Liegestühle und Beach-Vibes mitten in den Bergen: Zum 75. Jubiläum lud die GHS zur entspannten „Lounge75“ ins „Das Hausberg“. Bei coolen Cocktails und feinem Fingerfood genossen die Gäste abwechslungsreichen Small-Talk, der durch eine launige Geburtstagsrede der beiden GHS-Vorstände Martin Mimm und Dietmar Waldeck perfekt abgerundet wurde. Chillige DJ-Beats sorgten vorab für niederen Ruhepuls und zu späterer Stunde für schnelle Beine auf der Tanzfläche. Das Fazit des toll organisierten Abends: Bei der GHS wird nicht nur „richtig gut gebaut“, sondern auch „richtig gut gefeiert“!

Foto: GHS

BRANCHEN NEWS

Eigenheim: In 41 von 105 Bezirken nicht mehr leistbar

Der Traum vom Eigenheim hängt in Österreich zunehmend von der Postleitzahl ab. Laut einer aktuellen Analyse der Preisvergleichsplattform Durchblicker ist ein Einfamilienhaus in 41 von 105 Bezirken für Durchschnittsverdienende bereits nicht mehr finanzierbar. Besonders stark betroffen ist der Westen des Landes. Im Osten, abseits des Ballungsraums Wien, sieht die Lage noch deutlich günstiger aus, vor allem in Niederösterreich und dem Burgenland gibt es noch erschwingliche Regionen. Die Schere zwischen leistbaren und unleistbaren Regionen hat sich in den vergangenen Jahren merklich geweitet. Für den gemeinnützigen Wohnbau unterstreicht diese Entwicklung einmal mehr, welche stabilisierende Rolle geförderte Mietwohnungen spielen, gerade dort, wo Eigentum für viele Haushalte außer Reichweite gerückt ist.

Sanieren mit Auszeichnung: zwei Preise, ein Thema

Zum 13. Mal sucht die ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme mit dem ETHOUSE Award die besten thermischen Gebäudesanierungen Österreichs. Prämiert werden Projekte in den Kategorien Wohnbau, öffentliche Bauten und gewerbliche Bauten. Einreichschluss ist der 14. Oktober 2026, die Verleihung folgt am 16. März 2027 in Wien. Was möglich ist, zeigt ein Vorjahressieger im Wohnbau: eine Quartierssanierung im 12. Wiener Bezirk, bei der der Heizwärmebedarf um 81,5 Prozent gesenkt wurde, inklusive neuer Gemeinschaftsterrassen und ausdrücklicher Berücksichtigung der Mieterinteressen. SOLID

Parallel dazu lobt das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus den Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2026 bereits zum neunten Mal aus. Er ist europaweit einzigartig, weil architektonische Qualität und Nachhaltigkeit gleichwertig bewertet werden. Besonderes Gewicht legt die Jury auf Bestandsentwicklung, Sanierung und kreislauffähiges Bauen.

Beide Preise senden dasselbe Signal: Sanierung ist keine Verlegenheitslösung, sondern ein vollwertiges Instrument der Wohnbauqualität.

Positives aus USA & UK

Man möchte es nicht für möglich halten: Der US-Kongress hat den 21st Century ROAD to Housing Act mit überwältigender Mehrheit verabschiedet, 358 zu 32 im Repräsentantenhaus, 85 zu 5 im Senat. Das Gesetz gilt als das größte Wohnbaupaket seit Jahrzehnten und soll Baubarrieren abbauen, die Wohnkosten senken und mehr Kontrolle auf lokale Ebene verlagern. Bemerkenswert ist die politische Seltenheit: In einem tief gespaltenen Kongress fand Wohnleistbarkeit parteiübergreifende Mehrheiten.
Positives auch aus UK: In England und Wales gilt seit 1. Mai 2026 ein neues Mietrecht, das Delogierungen ohne konkreten Grund abschafft und damit die größte Mietrechtsreform im privaten Sektor seit Jahrzehnten markiert.

Armutsgefährdung durch Wohnen auf Rekordniveau

 Die Zahlen der Statistik Austria sind deutlich: Zu Jahresbeginn 2026 lag die durchschnittliche Quadratmetermiete inklusive Betriebskosten in Österreich bei 10,50 Euro, 4,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg geht laut Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk vor allem auf die Nettomieten zurück, die Betriebskosten haben nur geringfügig zugelegt. Und das, obwohl die Mieten bereits zwischen 2011 und 2025 stärker gestiegen sind als der Verbraucherpreisindex, an den sie eigentlich gekoppelt sind.

Die Folge: Jede vierte mietende Person in Österreich gilt als armutsgefährdet. Das Momentum-Institut fordert daraufhin einen schärferen Mietpreisdeckel und eine deutliche Einschränkung befristeter Mietverträge.

Für den gemeinnützigen Wohnbau unterstreichen diese Zahlen einmal mehr seine stabilisierende Funktion. Genossenschaftswohnungen mit preisgebundenen Mieten und unbefristeten Verträgen sind kein Auslaufmodell, sie sind für immer mehr Haushalte die einzige realistische Option auf leistbares Wohnen.

Recht von Roland Weinrauch 

Verbot von PV-Anlagen in Schutzzonen

Was ist passiert
Die Eigentümerin einer Liegenschaft in einer Schutzzone in St. Pölten zeigte beim zuständigen Magistrat die Errichtung einer von der Straße sichtbaren Photovoltaikanlage auf dem darauf befindlichen Gebäude an.

Nach dem Bebauungsplan der Stadt St. Pölten durften Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen in Schutzzonen nur auf vom öffentlichen Raum nicht einsehbaren Flächen errichtet werden.  Eine Abweichung von dieser Vorgabe war nur mit einer Freigabe durch ein „fachlich qualifiziertes Gremium“, den Gestaltungsbeirat, möglich.

Die Baubehörde untersagte nach einer entsprechenden Stellungnahme des Gestaltungsbeirates die angezeigte Errichtung der Photovoltaikanlage, weil diese den Bebauungsbestimmungen für Schutzzonen widerspreche. Im folgenden Beschwerdeverfahren stellte das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich einen Antrag auf Aufhebung der entsprechenden Bestimmungen des Bebauungsplanes an den Verfassungsgerichtshof.

Rechtliche Beurteilung
Nach der NÖ Bauordnung ist die Errichtung von Photovoltaikanlagen an von öffentlichen Verkehrsflächen einsehbaren Fassaden und Dächern anzeigepflichtig. Änderungen an Bauwerken, die einer Anzeigepflicht unterliegen, sind so zu gestalten, dass sie dem gegebenen Orts- und Landschaftsbild gerecht werden. Das NÖ Raumordnungsgesetz legt den Inhalt der Bebauungspläne fest und gestattet den Gemeinden die Einrichtung von Schutzzonen, um bspw. den historisch erhaltungswürden Baubestand zu schützen und Regelungen zur harmonischen Gestaltung von Bauwerken festzulegen.

Im St. Pöltner Bebauungsplan wurde die Errichtung von Photovoltaikanlagen in Schutzzonen auf öffentlich einsehbaren Bereichen jedoch dahingehend erschwert, dass diese grundsätzlich verboten wurde und eine Freigabe durch den Gestaltungsbeirat erforderlich war. Der Verfassungsgerichtshof stellte klar, dass sich dieses zusätzliche Erfordernis aus den oben genannten landesgesetzlichen Grundlagen nicht ableiten lässt.

Aus diesem Grund hob der Verfassungsgerichtshof sowohl das im Bebauungsplan von St. Pölten festgelegte absolute Verbot der Errichtung von Photovoltaikanlagen auf einsehbaren Flächen in Schutzzonen als auch das Zustimmungserfordernis durch den Gestaltungsbeirat für ein Abgehen von diesem Verbot als gesetzwidrig auf.

Schlussfolgerung
Die Entscheidung zeigt, dass Gemeinden zwar im Interesse des Ortsbildschutzes Gestaltungsvorgaben für Schutzzonen vorsehen dürfen. Die dabei festgelegten Bebauungspläne sind im Spannungsfeld zwischen Ortsbildschutz und der Energiewende jedoch sorgfältig im sich aus den Raumordnungsgesetzen und Bauordnungen ergebenden Rahmen auszugestalten.

Auch wenn das absolute Verbot im Zusammenspiel mit einer notwendigen Zustimmung durch ein von der Behörde ausgelagertes Gremium im aktuellen Fall als gesetzwidrig erachtet wurde,  machte der VfGH keine generelle Aussage zu der Frage, unter welchen Voraussetzungen derartige Verbote zulässig sein könnten. Die Aufhebung des Bebauungsplans beschränkte sich zudem auf das entsprechende Verbot hinsichtlich der Errichtung von Photovoltaikanlagen und ist hinsichtlich der Sonnenkollektoren daher nach wie vor aufrecht.  Eine weitergehende Grundsatzentscheidung wurde mit der gegenständlichen Entscheidung daher nicht getroffen und müssen vergleichbare Regelungen auch in Zukunft einzelfallbezogen beurteilt werden.

Weinrauch Rechtsanwälte

Autor: Rechtsanwalt Dr. Roland Weinrauch, LL.M.

Interessant? Teilen Sie den Newsletter!